Leben in China

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Sissy

Familie








Ich bin Sissy,

(chin. Wang Xue Hong)

oder "Mama", wie meine Männer sagen.


Ich komme eigentlich aus Chongqing in Sichuan.

Ich wurde als 3. Tochter meiner Eltern am Ende der Kulturrevolution in einem kleinen Dorf bei Chongqing in Sichuan geboren. Meine Eltern waren Bauern, mein Vater nahm als Soldat am "langen Marsch" teil.
Dadurch hatte meine Familie einige Privilegien.
Trotzdem war meine Kindheit von Armut und harter Arbeit geprägt.

Nach Abschluß der Highschool lernte ich im Hotelfach und habe im Süden Chinas in einem Hotel gearbeitet.
1999 ging ich dann nach Shanghai, wo ich mir bessere Chancen erhoffte.

Im Juni 2000 lernte ich bei einer Feier meinen Mann kennen.
2001 kam dann unser Sohn Charlie zur Welt.

Meine beiden Männer können mich schon manchmal mit ihrer deutschen Sturheit zur Weißglut bringen aber dem begegne ich mit chinesischer Sturheit und die ist stärker.

Es ist sehr schön, meinen Charlie beim Aufwachsen zu begleiten.

Wenn mir neben meiner Rolle als Mutter und Hausfrau noch etwas Zeit blieb, genoß ich es mit Freundinnen auf einen Einkaufsbummel zu gehen, schicke Kleider auszusuchen und Schuhe zu kaufen.
Dabei konnten wir herrlich Kochrezepte austauschen oder uns über unsere "nichtsnutzigen" Ehemänner unterhalten.
Ab und zu trafen wir uns zum Mahjong spielen. Das machte Spaß.
Jetzt bleibt mir nur der telefonische Kontakt zu chinesischen Freunden in Deutschland und hin und wieder ein Anruf bei meiner Familie.

Ein wenig problematisch war die Begegnung mit der westlichen Kultur schon, hatte ich doch in der Schule gelernt, daß im Westen nur Barbaren leben und China das Zentrum der Welt ist.
Inzwischen habe durch meinen Mann und die Erlebnisse in Deutschland doch gelernt, daß es auf der Welt so viele unterschiedliche Menschen und Kulturen gibt und daß eigentlich keine besser oder schlechter ist.
Es kommt halt doch auf den einzelnen Menschen an.
Mit meinem Mann und meinem Sohn waren wir auch schon in Deutschland, Österreich und Thailand und dabei habe ich viele nette und weniger nette Menschen getroffen.

Das Leben in Shanghai mit einem deutschen Ehemann war nicht immer einfach.
Die Shanghainesen sind sehr hochnäsig gegenüber ihren Landsleuten aus anderen Provinzen und dazu sehen sie mich als Verräterin, da ich einen Fremden geheiratet habe.
Die Deutschen sehen mich als "Golddigger" und glauben, daß ich nur hinter dem Geld meines Mannes her bin.

Nach dem Umzug nach Deutschland in Februar 2012 fiel ich zuerst in ein ganz tiefes Loch.
Alles war mir fremd, ich habe die Sprache nicht verstanden und mir fehlte der Trubel von Shanghai.
Mit dem Essen hatte ich lange Zeit Probleme und ich nahm sehr viel ab.

Seit April 2012 besuche ich einen Integrationskurs und lerne sehr fleißig Deutsch.
Leider geht es nach meinem Gefühl viel zu langsam.

Sicherlich gibt's zwischen uns auch Spannungen. Das bleibt bei der unterschiedlichen Herkunft und Kultur natürlich nicht aus.
Da kann es auch schon einmal gewaltig krachen. Bisher haben wir aber alle Klippen gemeistert und sind eigentlich ganz zufrieden.
Nun muß ich mich noch etwas mehr an Deutschland gewöhnen und besser Deutsch lernen.

 
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